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Do, 7.2.19
Wintergäste reloaded

Daniil Charms: Jelisaweta. Bam. Dialogisches. Fetzen.

Literatur

20:00 Uhr
Ort: Werkraum Schöpflin, Lörrach (D)
Eintritt: 18 / 9 EUR (ermäßigt für Jugendliche)

CARTE BLANCHE

Mit: Daniela Britt, Kolja Heiß, Laura Huonker
Dramaturgie/Realisation: Yannick Zürcher

„Ich sehe es schon kommen: Gleich geht die Tür auf, und die treten ein… Die treten ein, so viel steht fest! Um mich zu schnappen und auszumerzen! […]Da! Schritte! Das sind die! Ich schließe mich ein und mache nicht auf. Sollen die doch klopfen, so viel sie wollen.“ Mehr als fünfzig dialogische Fetzen sind vom sowjetischen Meister der Groteske erhalten geblieben. Dialogisches über die Willkür, die Ausweglosigkeit und Brutalität des Alltags, über Entzücken und Begeisterung, Inspiration und Verzweiflung, über Sinn und Unsinn, List und Hinterlist, Puškin und Gogol, über die Erotik des Ottonormalverbrauchers und die Leidenschaft Marija Ivanovnas; darüber, dass Semënov von Grigorjev in die Fresse kriegt – über das Fetzen in Wort und Tat. Und dann ist da ein einziges vollständig erhaltenes nahezu abendfüllendes Theaterstück von Daniil Charms: Jelisaweta Bam. Im Widerspruch liegt der Witz – höchste Zeit für einen dialogischen Zyklus des Fetzens!

Daniil Charms, eigentlich Daniil IvanovičJuvačëv [1905 – 1942]
Er fasste sich gerne kurz. Charms’ längster Prosatext ist achtundzwanzig Seiten lang und endet mit den Worten: „Damit beende ich vorläufig mein Manuskript, da ich meine, dass es ohnehin schon ziemlich lang geworden ist.“ Anfangs glühender Verfechter der neuen proletarischen Kunst und Mitbegründer zahlreicher progressiv kreativer Vereinigungen und Zusammenschlüsse  wird sein Hang zur Groteske und zur Auslotung neuer Sinnzusammenhänge des stalinistischen Regime schnell suspekt. Nach Publikationsverboten, Abdrängung in die Kinderliteratur und letztlich wiederholter Repression stirbt Daniil Charms in der Gefängnispsychiatrie zu Leningrad; Bestattungsort unbekannt. Am 31. Oktober 1937 schreibt er: „Mich interessiert nur der ‚Quatsch’; nur das, was keinerlei praktischen Sinn hat. Mich interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung.“


 

Jelisaweta Bam von Daniil Charms. Aus dem Russischen übersetzt von Alexander Nitzberg
Erschienen Bei Galiani, Berlin
 © 2011, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 

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